
Johannes Kühn | Foto: Wolf Heider-Sawall | https://www.johannes-kuehn.de/
Bei diesem Beitrag ist Johannes Kühn selbst der eigentliche Bezugspunkt: Er hat Ludwig Harig zu dessen 60. und 70. Geburtstag jeweils ein Gedicht gewidmet. Der eingesandte Beitrag stellt diese beiden Gedichte gegenüber und fragt, was Kühn mit ihnen über Harig sagen wollte. Besonders schön ist dabei die Entwicklung vom friedfertigen, nachdenklichen Harig des ersten Gedichts zum lebendigen, beweglichen, sprachlich präzisen und immer noch neugierigen Harig des zweiten.
Matthias Marx & Johannes Kühn: Zwei Gedichte für Ludwig Harig
Matthias Marx, Jahrgang 1954, ist Pfarrer, Kunst- und Kulturvermittler und Leiter des Jean-Lurçat-Museums in Eppelborn. Seine besondere Leidenschaft gilt der Kunst, der Literatur und der französisch-italienischen Kultur. Gemeinsam mit seinem Freund Paul Ludwig machte er den französischen Künstler Jean Lurçat im Saarland bekannt und baute eine bedeutende Sammlung seiner Werke auf.
Harig lesen – Geschichten neu entdecken
Johannes Kühn: Zwei Gedichte für Ludwig Harig
Johannes Kühn gehört zu den bedeutenden saarländischen Dichtern. In seinem Beitrag für „Harig lesen“ begegnen wir ihm als einem Dichter, der Ludwig Harig über viele Jahre hinweg literarisch begleitet und ihm zu seinem 60. und später zu seinem 70. Geburtstag jeweils ein Gedicht gewidmet hat.
Matthias Marx nimmt diese beiden Gedichte zum Ausgangspunkt für eine kleine, sehr persönliche Annäherung an Ludwig Harig.
Das erste Gedicht, „Das schnelle Einziehen des Kopfes“, überrascht zunächst. Es führt mitten in die Erinnerung an Krieg und Zerstörung: Granatlöcher, Blut, Schreie und Einschläge. Und doch endet es mit dem Bild eines Mannes, der schon im Rucksack Entwürfe trägt, „die Menschen zum Frieden zu bringen“. Für Matthias Marx liegt darin eine besondere Würdigung Harigs: das Bild eines Friedfertigen, eines Menschen, der den Frieden nicht als fertigen Zustand versteht, sondern als großes Ziel, das in vielen kleinen Schritten erreicht werden muss.
Zehn Jahre später, zu Harigs 70. Geburtstag, zeichnet Johannes Kühn ein ganz anderes Bild. Harig erscheint nicht als alter Mann, der nach Worten sucht, sondern als ein noch immer beweglicher, neugieriger und sprachlich wacher Schriftsteller. „Gelenkig ist er, wie ein junger Kellner“, schreibt Kühn. Harig habe gelebt und anschließend geschildert – mit genauem Blick, präziser Sprache und zugleich mit Raum für das Spiel.
Matthias Marx gefällt besonders diese Dynamik: Kühn nimmt Harigs Alter wahr, aber er lässt ihn darin nicht alt werden. Harig bleibt frisch, fantasievoll und genau in seinen Worten.
Und vielleicht liegt genau darin auch eine schöne Beschreibung dessen, was Harig lesen heute bedeuten kann: einen Schriftsteller wiederzuentdecken, dessen Blick, Fantasie und Sprache noch immer lebendig sind.

